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Linachtalsperre


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Geschichte

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Im Januar 1922 wurde mit dem Bau der Linachtalsperre begonnen. Die gesamte Bauleitung wurde Diplomingenieur Fritz Maier aus Karlsruhe übertragen. Bis Mitte Mai herrschte eine ungünstige Witterung. Schneefall, Regen, Frost und Kälte verzögerten bis dahin die Arbeiten.

Danach wurden sie in verstärktem Maße aufgenommen und schritten zügig voran. Auf der damals höchstgelegenen Großbaustelle Deutschlands waren insgesamt 350 Arbeiter beschäftigt. Der Bau der Linachtalsperre war Präzisionsarbeit und erforderte hohes handwerkliches Können für die Herstellung der komplizierten Verschalung. Die verwendeten Dielen waren fünf Zentimeter stark und mußten millimetergenau angepaßt werden.

Das Einbringen des Betons war sehr personalintensiv, denn um dabei eine gleichmäßige Verteilung zu garantieren, mußte die Verschalung ständig abgeklopft werden. Der Beton wurde über selbst hergestellte Trichterrohre eingefüllt. In mühevoller Arbeit wurde dieses Bauwerk geschaffen. Faszinierend war die Handarbeit mit einfachen Baugeräten.

Im Dezember 1923 war das Turbinenhaus, welches im Jugendstil erbaut wurde, fertiggestellt.

Die komplette elektrische und maschinelle Ausstattung (2 Francis-Turbinen + 1 Pelton-Turbine) war eingebaut. Staumauer, Stollen, Rohrleitung und Wasserschloß waren soweit gediehen, daß der Betrieb aufgenommen werden konnte. Man konnte eigenen Strom produzieren. Durch die Kraft des fließenden Wassers der Linach konnte die Stadt Vöhrenbach mit billigem Lichtstrom und die Baustelle mit Kraftstrom versorgt werden.

Das Jahr 1923 war gekennzeichnet durch die Geldentwertung und die Inflation. Die Geldbeschaffung wurde immer schwieriger und schließlich ganz unmöglich. In dieser Geldnot war die Stadt gezwungen, selbst Geld zu drucken (100 000 Mark, 500 000 Mark, 1 Million Mark, 1 Milliarde Mark, 10 Milliarden Mark, 50 Milliarden Mark, 1 Billion Mark). Mit Genehmigung des Innenministeriums gab die Stadt im August 1923 erstmals Notgeld im Dreifarbendruck heraus.

Als Motiv wurde einseitig jeweils die Staumauer verwandt. Der Vöhrenbacher Gewerbelehrer und Architekt Carl Beck hat die Geldscheine entworfen. Um die Schuldenlast zu bewältigen, mußte der Gemeindewald, eigentlich der Rückhalt der Stadt, geopfert werden.

Vom 1. August bis Ende Oktober 1924 konnten die Bauarbeiten an der Staumauer in vollem Umfange wieder aufgenommen werden. Die Mauer wuchs in diesem Vierteljahr um sage und schreibe 14 m in die Höhe.

Am 7. November 1925 war die Staumauer vollendet, im Maschinenhaus liefen zwei von drei Turbinen. Die Baufirma begann mit der Auflösung der Baustelle und dem Abtransport der Baustelleneinrichtung.

Am 31. Mai 1926 war das Becken der Talsperre randvoll, ein denkwürdiger Tag in der Geschichte des Kraftwerkbaues. Bei Vollstau betrug das Fassungsvermögen 1,1 Millionen Kubikmeter. Der See hatte eine Länge von einem Kilometer und eine überflutete Fläche von 110.000 Quadratmetern.

11000 Kubikmeter Beton wurden beim Bau der Staumauer verarbeitet.
100.000 Festmeter Holz waren insgesamt für die Finanzierung des Anlagenbaus erforderlich.

Ein Jahr nach der vollen Inbetriebnahme hatte die Stadt Vöhrenbach einen Stromverbrauch von 518.000 Kilowattstunden. Davon lieferte das eigene Kraftwerk 374.000 Kilowattstunden, was 72 Prozent entsprach.

1937, 1940 und 1942 wurden die ursprünglich eingebauten Turbinen gegen die noch heute eingesetzten Voith-Turbinen ausgetauscht.

1969 fasste der Gemeinderat der Stadt Vöhrenbach den Beschluss, die Eigenstromerzeugung wegen Unrentabilität einzustellen. Ein weiterer Grund waren anstehende notwendige Sanierungsarbeiten. Ab diesem Zeitpunkt war die komplette Anlage dem Verfall preisgegeben. Der Stausee war aber weiterhin ein beliebtes Freizeitziel.

In den Achtzigerjahren wurden Anstrengungen unternommen, die Linachtalsperre wieder zu reaktivieren. Hierzu wurde ein Sanierungskonzept aufgestellt. 1988 wurde der Stausee für die geplante Sanierung abgelassen. Weitere Untersuchungen ergaben jedoch, dass sich die damals geschätzten Sanierungskosten von ca. 4,2 Mio. DM mehr als verdoppeln würden. Daraufhin wurden die bereits begonnenen Sanierungsmaßnahmen Anfang der Neunzigerjahre abgebrochen. Nachdem unsere Linachtalsperre bis vor kurzer Zeit im wahrsten Sinne des Wortes dem "Dornröschenschlaf" überlassen war und die Vegetation begonnen hatte, sowohl von den alten Mauern als auch vom einstigen Stauseebecken wieder Besitz zu ergreifen, hat es die GEDEA (Gesellschaft für dezentrale Energieanlagen in Murrhardt) gemeinsam mit engagierten Bürgern und der Stadt Vöhrenbach tatsächlich geschafft, das Kraftwerk im Dezember 1998 wieder in Betrieb zu nehmen. Eigens für diese Aufgabe wurde die Wasserkraftwerk Linach KG gegründet. Ein Ausleitungskraftwerk speist seither wieder umweltfreundlichen Strom aus Wasserkraft in das Netz und erzeugte bis 2006 bereits über 7 Millionen Kilowattstunden (Stichwort: regenerative Energie).

Am 21. April 1999 wurde der Förderverein "Rettet die Linachtalsperre" e.V. gegründet. Dieser Förderverein setzt sich für den Erhalt und die Sanierung der Linachtalsperre ein. Insbesondere geht es darum, dieses Baukulturdenkmal von nationaler, wenn nicht sogar internationaler Bedeutung vor dem Verfall zu retten.

Das erste Etappenziel des Fördervereins war, die offizielle Begehbarkeit der Mauerkrone wiederherzustellen. 1994 wurde dies behördlicherseits aus Sicherheitserwägungen versagt. Die provisorische Begehbarkeit konnte durch die Unterstützung der Bevölkerung, kleinere Sponsoren und Zuschussstellen finanziert werden.

Für die Sanierung und Reaktivierung der Linachtalsperre wurde in einem mehrjährigen Prozess ein Sanierungskonzept entwickelt, das die Grundlage für die jetzige Durchführung des Projekts ist. Nachdem das Sanierungskonzept die Realisierbarkeit des Sanierungsprojekts nachgewiesen hatte, hat der Gemeinderat am 4. April 2003 den Grundsatzbeschluss zur Durchführung des Projekts gefasst. Das Regierungspräsidium Freiburg hat am 21. März 2005 die wasserrechtliche Bewilligung erteilt. Am 17. September 2005 konnte der Spatenstich als Startschuss für die Sanierungsmaßnahme erfolgen. Die eigentlichen Bauarbeiten konnten wegen des langen und harten Winters erst im April 2006 beginnen, wurden dann jedoch zügig durchgeführt. Begünstigt durch den milden Winter 2006/07 konnten die Bauarbeiten bis Anfang 2007 soweit fortschreiten, dass am 16. März 2007 der Probestau des Wassers eingeleitet werden konnte. Im Oktober 2007 wurde der Vollstau erreicht. Die Talsperre mit Stausee erfüllt jetzt wieder ihren ursprünglichen Zweck der Stromproduktion und wurde wieder zu einem beliebten touristischen Ausflugsziel. Am 15. Dezember 2007 wurde zur offiziellen Wiederinbetriebnahme des Linachkraftwerks das dritte Lichtfest gefeiert. Die offizielle Einweihung der sanierten Linachtalsperre wurde vom 30. Mai bis 1. Juni 2008 mit einem großen Fest gefeiert.