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Geschichte

Zur Geschichte Vöhrenbachs


1244 beschlossen die Grafen von Freiburg die Gründung einer Stadt auf ihrem Gute zu „Vernbach“ im oberen Bregtal. Einerseits sollten von hier aus die damals unwegsamen Täler Langenbach, Linach, Urach und Schollach erschlossen werden, andererseits ging es ihnen um die Sicherung sowohl der strategisch wichtigen Straßen über den Schwarzwald als auch des eigenen Territoriums. Die Kirche, die mit der Stadtgründung erbaut wurde, unterstellten sie der Pfarrei Herzogenweiler. Da sich Vöhrenbach rasch entwickelte, zog der Herzogenweiler Pfarrer 1275 in die neue Stadt.

Gründungsurkunde der Stadt Vöhrenbach

Deutsche Übersetzung der Gründungsurkunde der Stadt Vöhrenbach vom 28. Januar 1244

Wir Edelherren Konrad und Heinrich, Gebhard und Gottfried, Grafen von Freiburg, geben allen, die vorliegende Urkunde lesen oder hören, zum ewigen Gedächtnis bekannt: Weil menschliche Natur unbeständig ist und die Erinnerung an zeitliche Taten schwindet, pflegt man sie in der Schrift festzuhalten, damit Vergänglichkeit und Vergesslichkeit überwunden werden. Unsere Zeit wisse also und alle Nachkommenschaft, dass wir, die wir auf dem Vernbach genannten Gelände Burg und Stadt zu errichten gedenken, eingedenk des Seelenheils und Vorteils der dort anzusiedelnden Menschen und zur Sicherung des Gottesdienstes alles wirksam verrichtet haben. Zu diesem Zwecke haben wir ein für den Kirchenbau geeignetes und dem priesterlichen Auskommen genügendes Grundstück ewiglich der Kirche zu Herzogenweiler, Mutterkirche des in Vernbach zu bauenden Gotteshauses, übertragen, dazu als Ausstattung 20 Joch Land und zwei Eigenleute, Berthold von Vernbach und Adelheid von Kyrna. Vor einem Licht soll in der Kirche in Vernbach Messe gelesen werden. Wir behalten uns an besagter Kirche keine Rechte vor, auch nicht an Zehnten, Ausstattung, Wohnung des Priesters. Auf Pfarrsalz, Vogtei und alle Gerichtsgewalt verzichten wir, damit die Kirche von Herzogenweiler frei über ihre Tochter walten kann. Und weil wir unter vollem Vorbehalt des Rechts der Mutterkirche die Kapelle gegründet wissen wollen, sei erwähnt und ausdrücklich vermerkt, dass Begräbnis und feierliche Taufe wie sie zu Ostern und Pfingsten gespendet zu werden pflegt, in der Kirche zu Vernbach nicht vorgenommen werden sollen, es sei denn der Bischof von Konstanz, der Abt von Salem und der Pfarrherr von Herzogenweiler geben ihre Ermächtigung und Zustimmung, dass die genannten Sakramente später einmal auch dort gespendet werden dürfen. Damit alles Vorstehende ewiglich unverändert bleibe, haben wir veranlasst, dass vorstehende Urkunde mit unserm eigenen Siegel und dem des Herrn H. Bischofs von Konstanz und des Abts von Salem zu bekräftigen sei. So geschehen bei der Stadt Freiburg im Jahre der Gnade 1244, in der zweiten Indiction, am 5. Tage der Woche vor Lichtmess, in Anwesenheit folgender Zeugen: des Herrn R., Pfarrers von Freiburg, des Herrn L., Pfarrers von Hügelheim, H., Pfarrers von Reute, C., Pfarrers von Grüningen, Ber., des Vikars von Hondingen, des Kellers B. von Salem, des Kellers Werner von Tennenbach, des Ritters H. von Veltheim, des Schenken von Zell, des Ludwig von Munzingen, Bürgers von Freiburg, Herrn Fazzarius, Bürgers von Freiburg, Herrn H. Snewelin, Herrn C. Snewelin, des Rudolf von Bonndorf, Heinrichs von Weilersbach, Johannes von Bonndorf und anderer angesehener und ehrsamer Leute mehr.
Das Original der Urkunde befindet sich im Generallandesarchiv Karlsruhe.


Von Anfang an bildete das Handwerk den Haupterwerbszweig der Vöhrenbacher. Umliegende, zur Stadt gehörige, teilweise autonome Bauernhöfe, sicherten dabei die Ernährung.

1525, über 200 Jahre vor der Französischen Revolution, begann ein Bürgerkrieg gegen Unterdrückung und Entrechtung der Bauern, die das Gros der Bevölkerung darstellten. Unter dem Bundschuh-Hauptmann Hans Müller aus Bulgenbach, sammelten sich die Schwarzwälder zur „Kristlich Bruderschaft“ und marschierten auf Villingen, wobei sie die Burgen Zindelstein sowie Neufürstenberg zerstörten und den Fürstenbergischen Obervogt durch die Spieße jagten. Im Gasthaus zum „Ochsen“ in Vöhrenbach bezog der Bauernführer danach Quartier. Mit „Datum zu Vöhrenbach auf Montag nach des hl. Kreuzes Tag“ (8. Mai 1525) formulierten sie aber auch ihr Programm, das als „Vöhrenbacher Artikelbrief“ in die Geschichte eingegangen ist: „Gewalt soll werden dem gemeinen Mann!“, das heißt, Demokratie. Den Brief, eine Art Grundgesetz der Bauern auf religiöser und sozialpolitischer Basis, schickte Hans Müller nach Villingen, in der Absicht, die Stadt auf die Seite der Bauern zu ziehen, was aber misslang.


1544 kam es zum ersten großen Stadtbrand, 1639 zur Brandschatzung durch die im 30jährigen Krieg verbündeten Schweden und Franzosen unter dem Kommando des Obristen Kanofski von Langendorf. Die letzte Brandkatastrophe suchte Vöhrenbach 1819 heim. Drei Jahre zuvor noch hatte die Stadt 111 Häuser mit 272 Einwohnern in über 32 Handwerksberufen.

Bruderkirchle um 1932

In diesem Zusammenhang soll die mit der Stadt Vöhrenbach und der Quelle bei der Eremitage Bruderkirchle verbundene Sage kurz erzählt werden: „In vorchristlicher Zeit lebten in Vöhrenbach sieben schon christlich gewordene Jungfrauen als Missionarinnen des neuen Glaubens. Das trug ihnen den Hass der Heiden ein, und Schultheiß Männle ließ sie deshalb als Zauberinnen verbrennen. Vor ihrem Tode auf dem Scheiterhaufen weissagte jede der Frauen zum Schicksal der Stadt: Die Obstbäume werden keine Frucht mehr bringen und die Reben verdorren; die Silbergruben werden nichts mehr abwerfen; Vöhrenbach wird dreimal abbrennen; das Geschlecht der Männdlin wird aussterben, und der beste Mann im Rat wird stets fehlen; der Heidentempel wird zugrundegehen. Der siebente Spruch lautete dahingehend, dass die letzte der Märtyrerinnen einen Schlüsselbund an jenen Ort wirft, wo eine Quelle entspringen wird. Dort taucht in der Karfreitagsnacht ein Fisch mit diesen Schlüsseln auf. Den kann aber nur ein Mensch sehen, der so rein ist wie ein Auge. Wenn das eintritt, wird der Fluch über die Stadt Vöhrenbach aufgehoben.“

Gefangenenlager im Schulgebäude 1916

Wie auch immer, die Stadt erlebte mehr oder minder betroffen, die Ereignisse der Einfälle französischer Truppen in den Schwarzwald mit: Erbfolgekriege, Revolutionsarmee, Napoleon. Natürlich auch die Geschehnisse des Deutsch-Französischen Krieges 1870 -71, den Ersten und den Zweiten Weltkrieg. In beiden Kriegen waren französische Soldaten in Vöhrenbach interniert: So wurde die neu erbaute Schule im Ersten Weltkrieg als Gefangenenlager für französische Offiziere genutzt. Die nach über 90 Jahren von Nachkommen dieser Offiziere nach Vöhrenbach gebrachten Dokumente zeugen von ehrenvoller und korrekter Behandlung, die ihnen zuteil wurde. An die französischen Gefangenen des Zweiten Weltkrieges erinnert das im Bruderkirchle hängende Gemälde, Geschenk ehemals in Vöhrenbach internierter Franzosen als Dank für gute Behandlung. Deutsche Niederlagen, Inflation und Drittes Reich hinterließen ihre Spuren, wie auch andernorts. Nach dem letzten Krieg gingen die Wechselfälle weiter mit Auf- und Abschwung, Migration und Wirtschaftskrisen.

1720 kam in Vöhrenbach die Uhrenproduktion in Familienbetrieben auf. Viele Handwerker mussten aber im Verlauf der Industrialisierung des 19. Jahrhunderts aufgeben. An ihrer Stelle entfalteten sich Metallindustrie und Musikwerkeproduktion. Der bekannte Orchestrionbauer Michael Welte gründete 1833 in Vöhrenbach seine Fabrik, die er 1872 nach Freiburg verlegte. Auch die Firma Imhof & Mukle als Nachfolgerin, konnte Erfolge in der ganzen Welt erzielen. Nach der Jahrhundertwende entstanden weitere Industriezweige wie Mutternfabriken, Gießereien, Möbel- und Sägewerke, Maschinenbau. Zwischen den Weltkriegen kam eine Zweigniederlassung der Firma Lanz nach Vöhrenbach und nach dem Zweiten Weltkrieg siedelten sich eine Zählerwerke- sowie eine Sport- und Jagdwaffenfabrik an.

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Luisenkrankenhaus 1913

Schon 1906 (Neubau 1967 mit beheiztem Becken) wurde für die Bürger ein Schwimmbad mit Volksbad (öffentliche Wannenbäder) eingerichtet, 1912 ein Krankenhaus und 1913 wurde ein Schulhaus mit Turnhalle geschaffen. Örtliches Mäzenatentum ermöglichte schon damals Lehrmittelfreiheit. Als größtes städtisches Projekt gilt die Linachtalsperre (1922 – 1925), deren Finanzierung die Stadt an den Rand des Ruins brachte, der nur durch Abholzung des Stadtwaldes und Verkauf des Holzes abgewendet werden konnte. Die Talsperre wurde wegen Baufälligkeit 1969 stillgelegt. Jedoch wurden die Turbinen 1998 als Durchleitungskraftwerk wieder in Betrieb genommen. Seither produziert das Kraftwerk umweltfreundlichen Strom. In den Jahren 2006 bis 2007 wurde die Talsperre komplett saniert und der Stausee wieder gefüllt. Die Linachtalsperre mit ihrem Stausee dient jetzt wieder dem Zweck, Strom zu erzeugen und wurde zu einem beliebten touristischen und technikgeschichtlichen Ausflugsziel.

Alte Kirche vor 1953

In Vöhrenbach lebten einige Künstlerpersönlichkeiten von überregionaler Bedeutung. Von Adam Winterhalder (1652 - 1737) und seinem Sohn Johann Michael (1706 - 1759) stammen der Hochaltar und die Seitenaltäre der 1953 abgebrochenen katholischen Stadtkirche. Deren Figuren wurden in der neuen Kirche wieder aufgestellt, die Altäre vernichtet. Mitglieder der Familie Winterhalder traten über mehrere Generationen in Vöhrenbach, aber auch in Mähren, als Bildhauer und Maler in Erscheinung. Mit dem Bildhauer und Vöhrenbacher Ratschreiber Adolph Winterhalder (1846 – 1900) endete diese Tradition. Zu nennen sind ferner die Bildhauer Adolf Heer (1846 – 1898) und Adolf Bermann (1862 – 1947), die weit über Vöhrenbach hinaus wirkten. Weiters sind erwähnenswert der Maler Casimir Stegerer, der in der Badischen Revolution aktiv war, 1813 geboren und seit 1849 als er nach Amerika auswanderte, verschollen, der Maler Johann Dorer (1883 – 1915), Toni Merz (1895 – 1966) ebenfalls Kunstmaler, die Malerin Vera von Buch (1903 – 2004), Josef Albert Rissler (1908 – 1982) Maler und Bildhauer.

Der in Vöhrenbach lebende Holzbildhauer Wolfgang Kleiser hat sich vor allem einen überregional bekannten Namen als Schöpfer sakraler Kunst, aber auch als Maskenschnitzer für die schwäbisch-alemannische Fastnacht gemacht.

Erwähnt werden soll auch der in Vöhrenbach praktizierte alte Brauch des Rätschens in der Karwoche, der bis heute von den Rätschbuben nach bestimmten Regeln bei Vortrag altüberkommener Verse ausgeübt wird.

Originell ist die Geschichte des Vöhrenbacher Wappenwechsels. Seit unvordenklicher Zeit führte die Stadt einen Esel im Wappen, was zu manchen ungünstigen Bemerkungen der Nachbarn Anlass gab. Um dem abzuhelfen beantragten die Vöhrenbacher 1802 beim damaligen Landesherrn, dem Fürsten zu Fürstenberg, eine Wappenänderung. Sie erhielten das noch heute geführte Wappen: In Blau ein goldener Wellenschrägbalken, belegt mit einer aufwärts schwimmenden roten Forelle.

Und zum Schluss noch eine altüberlieferte Geschichte, die ein wenig der Vöhrenbacher hintergründige Distanz zum feststehend zu sein Scheinenden zeigt.

Fastnacht in Vöhrenbach - Der lange Fasching

In Vöhrenbach wollte einmal die Fastnacht gar kein Ende nehmen. Um zu erfahren, ob sie nicht schon aus sei, schickte der Stadtrat zwei Abgeordnete nach Rottweil, die gerade während der Palmsonntagsprozession ankamen. Das hölzerne Standbild des Heilandes auf dem Esel, welches dabei von den Ratsherren gezogen wurde, sahen die Abgeordneten für einen Mummenschanz an und kehrten sogleich nach Vöhrenbach zurück. Dort verkündeten sie zur allgemeinen Freude, daß der Fasching noch keineswegs zu Ende sei, worauf er in großer Lustigkeit fortgesetzt wurde.

Quelle: Bernhard Baader: „Volkssagen aus dem Lande Baden“, 1851

© Stadtarchiv Vöhrenbach